Sonderausstellung im Deutschen Pferdemuseum:
Erschienen am 02.04.2013
Shen Qi Zhao - Großmeister der chinesischen Tuschmalerei
Im Deutschen Pferdemuseum in Verden wird am Donnerstag, 4. April, 19 Uhr, eine hochkarätige neue Sonderausstellung eröffnet. Unter dem Titel "Pferde für die Freiheit" zeigt das Deutsche Pferdemuseum bis Oktober Tuschzeichnungen des international renommierten chinesischen Künstlers Shen Qi Zhao. Er wird während der Vernissage anwesend sein, vor den Augen der Gäste ein neues Bild entwerfen und über einen Dolmetscher von seiner Arbeit berichten.
Seit 1990 lebt Shen Qi Zhao (78), der auch Mediziner und Kampfkunstlehrer ist, in Deutschland und ist inzwischen im Rhein-Main-Gebiet zuhause. Er besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und betreibt seit 2010 auch wieder ein Atelier in seiner Heimat.
Shen Qi Zhao gilt als Großmeister der traditionellen chinesischen Malerei mit Tusche. Seine Bilder auf Bambuspapier beeindrucken nicht nur durch ihre oft ungewöhnlichen Formate: Sie sind bis zu drei Meter hoch und sechs Meter breit. Auch wegen ihres Symbolgehalts gelten die Werke als einzigartig. Das Pferd als Hauptmotiv versinnbildlicht Energie und Kraft und steht für seinen Protest gegen Diktatur, Menschenrechtsverletzung und Unterdrückung. Mit seiner Malerei setzt der Künstler seit Jahrzehnten Zeichen für Frieden, Freiheit und Versöhnung.
Um deren Bedeutung weiß der Mann mit den vielen Fähigkeiten und Qualifikationen aus eigener Erfahrung. Shen Qi Zhao, in Shanghai geboren, stammt aus einer wohlhabenden, gebildeten Familie. Vater und Mutter waren bekannte Maler, die Onkel Mediziner. Unter der Herrschaft Mao Tse-tungs ist es unter Androhung der Todesstrafe verboten, Pferde zu malen, zumal in Schwarz. Rot ist jetzt die dominierende Farbe im Riesenreich. Doch Shen lässt sich nicht aufhalten, denn in China sagt man: "Wenn 10.000 Pferde galoppieren, wird der Himmel erbeben".
Diese These wird ihm zum Verhängnis. 1967, während der Kulturrevolution, kommt Shen Qi Zhao für fünf Jahre in Einzelhaft. Er übersteht Isolation und Folter durch eiserne Disziplin. Die Vorstellung der Pferde in seinem Kopf geben ihm Mut und Kraft. Hat er kein Papier und keinen Stift zur Hand, malt er mit Sojasoße und Wasser auf Tisch und Boden, trainiert dabei weiter Tai Chi und Qigong. Mehr soll er über seine Leidenszeit noch nie preisgegeben haben.
Gleich nach seiner Entlassung, Rehabilitierung und nur symbolischen Entschädigung für die harten Haftjahre malt Shen Qi Zhao sein weltweit bekanntestes Bild: "10.000 galoppierende Pferde". Im Gefängnis habe er dafür gut üben können, wird Shen zitiert. Zahlreiche Ausstellungen haben den Künstler mittlerweile rund um den Globus geführt. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. sind Besitzer der mit dynamischem Pinselstrich entstandenen Bilder.
Zu der Ausstellung im Pferdemuseum gibt es ein Beiprogramm. Dazu gehört unter anderem eine Einführung in die Tuschmalerei, die der chinesische Professor am 20. und 21. Juli persönlich leitet.
Die Sonderausstellung ist von Dienstag bis Sonntag von 10 - 17.00 Uhr im Deutschen Pferdemuseum zu sehen. Der Eintritt in die Sonderausstellung ist im Museumseintrittspreis von 3 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder (4-17 Jahre) enthalten.
Kontakt:
Deutsches Pferdemuseum, Holzmarkt 9, 27283 Verden/Aller, Tel.: 04231/807140, www.dpm-verden.de