FN-Aktuell: Ergebnisse einer Turniersportumfrage

Erschienen am 14.03.2012
Ergebnisse

Sonderausgabe "Turniersport 2013"

Warendorf/fn-press - Bei der Jahrestagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) im Mai wird die neue Leistungs-Prüfungs-Ordnung verabschiedet. Ab 2013 regelt diese dann den Turniersport in Deutschland - genau einhundert Jahre nach ihrer Erstauflage.

Seit 1913 wurde das Regelwerk immer wieder überarbeitet und den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Auch den aktuellen LPO-Beratungen ging wieder eine gründliche Ist-Analyse voraus. Was ist der Anreiz aufs Turnier zu gehen, wie viel Zeit nimmt der Turniersport in Anspruch und was ist zu verbessern, damit der Turniersport auch 2013 und darüber hinaus attraktiv bleibt?

Antworten darauf gibt vor allem die große FN-Umfrage, an der sich 14.492 Personen, vorwiegend aktive Turnierteilnehmer, beteiligten. Sie füllten nicht nur den Online-Fragebogen aus, sondern nutzten auch die Gelegenheit zu eigenen Statements. Allein die Möglichkeit zu einer Schlussbemerkung wurde von rund 5.000 Umfrageteilnehmern in Anspruch genommen, um weitere Wünsche, Ideen und Kritik zu äußern.

Weniger Turniere, weniger Reiter, konstante Starts

"Wie zufrieden sind Sie mit dem Veranstaltungs- und Prüfungsangebot der Turniere in Deutschland?" fragte die FN im vergangenen Jahr ihre Turnierreiter. Die Resonanz auf die Umfrage war gewaltig. Als hätten alle nur darauf gewartet, endlich einmal ihre Meinung zu sagen, gaben 14.492 Personen - das entspricht mehr als einem Sechstel aller Jahresturnierlizenzinhaber - bereitwillig Auskunft, nannten ihre Wünsche, machten Verbesserungsvorschläge und luden gelegentlich auch Frust ab. So richtig unzufrieden äußerten sich allerdings nur 13,5 Prozent der Befragten, wohingegen 42,5 Prozent das Turnierangebot grundsätzlich zufrieden stimmt.

Die mehrheitliche Zufriedenheit darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Turnierreiter und -fahrer in den letzten Jahren stetig sinkt. Waren im Jahr 2010 noch 83.976 Pferdesportler im Besitz einer Jahresturnierlizenz, lag deren Zahl 2011 bei nur noch 82.779. Vor zehn Jahren waren es noch 7.392 mehr. Und im Vergleich zum Rekordjahr 2000, in dem 94.854 Reitausweise ausgestellt wurden, ist die Zahl der Aktiven um 12,7 Prozent geschrumpft.

Rückläufig ist auch die Zahl der Veranstaltungen. So wurden im vergangenen Jahr 3.594 Turniere (2010: 3.669) gezählt. Im Klartext heißt das: Weniger Turniere mit weniger Reitern, die dafür aber öfter starten. Denn die Zahl der Starts blieb vergleichsweise konstant. Sie sank um lediglich 0,2 Prozent von 1.462.885 im Jahr 2010 auf 1.459.828. "Eine Tatsache, die uns aufhorchen lässt und sich mit Sicherheit nicht nur mit der demographischen Entwicklung begründen lässt", sagt Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport.

Doch woran liegt es, dass der Turniersport scheinbar an Attraktivität verliert? Und vor allem, wie lässt sich etwas daran ändern? Eine erste Analyse ergab, dass die Gründe für den Turnierausstieg vorwiegend im persönlichen Umfeld zu finden sind: Zeitmangel, berufliche und familiäre Verpflichtungen und das Fehlen eines geeigneten, aktuell einsetzbaren Pferdes. Nicht zuletzt spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Faktoren, die vorwiegend personenbezogen und durch die Pferdesportverbände oder das Reglement kaum zu beeinflussen sind.

Doch es gibt noch eine Reihe anderer Gründe, die den Spaß am Turniersport verderben können. Rund ein Zehntel aller Aussteiger gibt turniersportbezogene Gründe dafür an. Für die einen ist das der eigene Leistungsanspruch, dem sie nicht gerecht werden, für die anderen die fehlende Unterstützung (Trainer, Turnierberatung, etc.). Wieder anderen gefallen die Rahmenbedingungen nicht oder die ganze Sache wird ihnen einfach zu stressig: Die Turniere sind ihnen zu überlaufen und der Umgang untereinander zu unfreundlich. Da fallen auch schon einmal Begriffe wie Übereifer und Neid, die dazu führen, dem Turniersport den Rücken zu kehren.

Den meisten macht Turnierreiten aber nach wie vor einfach Spaß. Ob es um die Ausbildungskontrolle geht, die persönliche Weiterentwicklung, die Kontaktpflege mit Gleichgesinnten oder schlicht um die Abwechslung vom Trainings- und Arbeitsalltag, den eine Turnierteilnahme bietet - die Gründe für eine Turnierteilnahme sind zahlreich. Die Umfrage zeigt aber auch: Wenn der Erfolg auf Dauer ausbleibt, sinkt die Motivation.

Die Ursache für anhaltende Erfolglosigkeit sehen viele in einer "mangelnden Chancengleichheit" im Pferdesport. Dazu zählen Beschwerden über eine mangelnde Qualifikation und Voreingenommenheit von Richtern, die "nach Namen richten" und "bei Regelwidrigkeiten auf dem Vorbereitungsplatz nicht einschreiten", sowie die Klage, mit einem ‚normalen’ Pferd im Sport nicht mithalten zu können. Frustrierend empfinden es viele auch, als Erwachsener gegen jugendliche Konkurrenz oder als berufstätiger ‚Hobby’-Reiter gegen professionelle Vielreiter mit entsprechender Routine antreten zu müssen.

 "Gerade das Thema Chancengleichheit steht in allen Befragungen ganz oben und ist einer der Punkte, an dem wir unbedingt ansetzen müssen", sagt Friedrich Otto-Erley. Zum Beispiel durch stärkere Trennung der Prüfungen nach Leistung, Routine und Erfahrung. Mit der neuen Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO), die im Mai verabschiedet wird und die ab 2013 in Kraft tritt, soll speziell dieses Thema noch stärker berücksichtigt werden.         Hb

Und das sagen die Umfrageteilnehmer (Auszug aus den "offenen" Antworten):

Gründe für die Turnierteilnahme

 

Wünsche an die Turnierveranstalter

Gründe für einen Turnierausstieg

Wünsche an die Richter

Wünsche an die Turnierteilnehmer

Interview mit Friedrich Otto-Erley

"Ich bin gespannt, ob man A) über das Ergebnis informiert wird und B) ob sich die Mühe und Zeit gelohnt hat und sich durch diese Aktion etwas ändert. Wäre beim einen oder anderen Punkt sicher sehr wünschenswert. Viel Erfolg!" Das ist eine von rund 5.000 Schlussbemerkungen der großen FN-Umfrage, die zeigt, wie sehr den Reitern das Thema "Zukunft des Turniersports" am Herzen liegt. Wie es zu der Befragung kam und wie es weitergeht, darüber sprach FN-Aktuell mit dem Leiter der FN-Abteilung Turniersport, Friedrich Otto-Erley.

Frage: Herr Otto-Erley, im vergangenen Jahr rief die FN zu einer großen Online-Umfrage zum Turniersport auf. Was war der Grund und wie war die Resonanz?

F. Otto-Erley:  "Die Zahl der Turniersportler schrumpft, ebenso wie die Zahl der Turniere. Aus älteren Umfragen wussten wir bereits, dass die Gründe für einen Turnierausstieg vorwiegend reiterbezogen sind: fehlendes Pferd, berufliche und familiäre Verpflichtungen. Aber dass es eben auch turniersportbezogene Gründe gibt, insbesondere das Gefühl mangelnder Chancengleichheit. Das wollten wir mit der Umfrage noch einmal gezielt überprüfen. Mit einer solchen Resonanz haben wir allerdings nicht gerechnet: 14.492 Personen - Reiter, Fahrer, Voltigierer, aber auch Turnierveranstalter - haben sich an der Umfrage beteiligt und dabei nicht nur ihre ‚Kreuzchen’ gemacht, sondern auch etwas dazu geschrieben."

Frage: Wie waren die Reaktionen?

F. Otto-Erley: "Vorwiegend positiv was die Umfrage selbst betrifft. Viele schrieben, dass so etwas längst überfällig war und fanden es toll, einmal ihre Sicht der Dinge darzustellen, Vorschläge zu machen oder einfach mal Frust abzulassen. Wir haben allein 5.000 Schlussbemerkungen erhalten."

Frage: Und was kam dabei heraus? Gab es so etwas wie eine Kernbotschaft?

F. Otto-Erley: "Eine Botschaft, die immer wieder auftauchte, ist sicherlich die: Die Teilnahme am Turnier ist mit einem nicht unerheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden, der im Auge behalten werden muss. Im Gegenzug dafür möchte der Reiter etwas haben: Wenn es schon keine Platzierung ist, dann wenigstens eine gerechte Bewertung der Leistung und die ungeteilte Aufmerksamkeit des Richters - und zwar unabhängig davon, welche Rasse, Farbe und Grundqualität das Pferd hat. Stark zu spüren ist eine wachsende Unzufriedenheit darüber, als berufstätiger Erwachsener als ‚Kanonenfutter’ für Profis, Semi-Profis und Jugendliche herzuhalten."

Frage: Wie geht es jetzt weiter?

F: Otto-Erley: "Diese Tendenz ist ja nicht neu. Unsere Turnierszene hat sich langsam dahin entwickelt, wo sie jetzt ist, und das lässt sich nicht von heute auf morgen wieder ändern. Der erste Schritt muss sein, ein zielgruppenorientiertes Prüfungsangebot und damit ausgewogenere Starterfelder zu schaffen. Damit nicht mehr Äpfel mit Birnen verglichen werden und sich auch waschechte Amateure mit nur einem Pferd auf dem Turnier wieder wohl fühlen. Schließlich bilden sie die Basis für Vereinsleben und Turniersport. Die seit Jahren hierfür propagierten Modelle haben leider nicht gefruchtet!"

Frage: Eigentlich müssten die Veranstalter doch ein ureigenes Interesse daran haben, diese Klientel anzusprechen. Warum werden die Prüfungen nicht nach Leistungsklassen, Altersklassen und Ranglistenpunkten getrennt? 

F. Otto-Erley: "Natürlich gibt es etliche Veranstalter, die das tun. Flächendeckend waren entsprechende Empfehlungen der FN und ihrer Landespferdesportverbände jedoch weniger erfolgreich. Im Moment ist es eher so, dass viele Turniere aus allen Nähten platzen. Wenn man die Zahlen betrachtet, stellt man fest, dass auch die Veranstaltungen zurückgehen, die Zahl der Starts aber nahezu konstant geblieben ist. Da haben die verbleibenden Veranstalter auf den ersten Blick natürlich wenig Anlass etwas zu ändern. Oft fehlt es aber auch an finanziellen Mitteln, an freiwilligen Helfern oder der treibenden Kraft. Auf unsere Umfrage bekamen wir mehrfach von Veranstaltern zu hören: ‚Fragt uns doch mal!’. Das haben wir jetzt auch gerade begonnen und hoffen auf hohe Resonanz auch von den Vereinen, die kein Turnier machen."

Frage: Im Mai wird die LPO 2013 verabschiedet. Inwiefern trägt sie den Ergebnissen der Umfragen Rechnung? Was wird sich ändern?

F. Otto-Erley: "Die Ergebnisse der Umfrage sind in die Überlegungen zur LPO 2013 eingeflossen. Die Botschaft ist angekommen. Trotzdem ist klar: Allen wird es auch dieses Regelwerk nicht recht machen können, dazu gibt es viel zu viele Einzelinteressen. Verbesserungen wird es aber auf jeden Fall geben, was die Trennung nach Leistung und Routine betrifft. Gegebenenfalls mit sanftem Zwang, denn wie es aussieht, hat das System "Freiwilligkeit" bisher nicht richtig funktioniert. So ist beispielsweise die Einführung von Springpferdeprüfungen damals auch nur durch eine entsprechende Vorschrift in der LPO gelungen. Oder das Pilotprojekt "Richter-Rotation" in Westfalen. (Anm.: In Westfalen darf ein Richter maximal fünf Jahre hintereinander auf einem Turnier eingesetzt werden, danach muss getauscht werden.) Auch das ist zunächst auf Widerstand gestoßen und klappt heute reibungslos. Man muss einfach mal etwas ausprobieren, sonst ändert sich nie etwas."

Mehr Chancen für Amateure und Wiedereinsteiger

Der Turniersport schrumpft. Seit dem Rekordjahr 2000 ist die Zahl der Jahresturnierlizenzinhaber um 12,7 Prozent zurückgegangen. Die Gründe sind vielfältig, wie eine Befragung ehemaliger Turnierreiter zeigt: kein passendes Pferd, Zeitmangel und Unzufriedenheit mit den Erfolgschancen und dem Bewertungssystem. Die gute Nachricht: Auch nach ihrem Ausstieg sind die meisten Ehemaligen dem Sport so verbunden, dass eine Rückkehr möglich erscheint.

Diese schon etwas zurückliegende Befragung ergab weiter, dass 87 Prozent auch weiterhin aktiv reiten und immerhin 80 Prozent den Turniersport für wichtig oder sehr wichtig für den deutschen Pferdesport halten. Dementsprechend groß ist auch der Wunsch nach gezielten Prüfungen für Wieder- und Späteinsteiger, wie jetzt die große FN-Turniersportumfrage, an der sich 14.492 Pferdesportler beteiligten, bestätigte. Insgesamt 77 Prozent der aktiven und 75 Prozent der nicht-aktiven Turnierteilnehmer bezeichneten solche Prüfungen als sinnvoll. Fast genauso hoch ist die Nachfrage nach einem erweiterten Angebot an Basis- und Aufbauprüfungen. Mehr davon wünschen sich 60 Prozent der Aktiven und sogar 64 Prozent der nicht-aktiven Turnierreiter - und das disziplinübergreifend. Dieses Ergebnis wird durch die offenen Antworten unterstützt, die vielfach eigene Prüfungen für Reiter über 40, 50 oder sogar 60 Jahre fordern. Dabei geht es nicht um besondere Prüfungsformen, wie es eine der Antworten auf den Punkt bringt: "Ernsthafte Springprüfungen 100 bis 115 cm für Senioren nach Altersklassen - über 50 und über 60 Jahre, ausschliesslich Amateure, auf guten Plätzen, zu moderaten Zeiten und mit ordentlichem Umfeld. Keine Oldie-, Grufti- und sonstige Lachnummern."

In dieser Antwort wird noch ein zweiter Wunsch laut, der den Reitern unter den Nägeln zu brennen scheint: eine bessere Trennung nach Leistung und Routine. Die Forderung, "Amateure" und "Profis" besser auseinander zu halten, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Umfrageergebnisse. "Endlich eine Trennung der Junge-Pferde-Prüfungen von den Profis! Hier hat kein Amateur eine Chance, das ist eine bodenlose Unverschämtheit. Die Amateure zahlen diesen Sport!!!" wettert ein Umfrageteilnehmer. Andere Antworten sind weniger forsch, sagen aber mithin dasselbe: "Es wäre hilfreich, wenn Jungpferdeprüfungen so ausgeschrieben werden, dass wir Amateure nicht IMMER nur gegen Profis reiten müssen. Auch wir würden gerne für eine gute Runde mit einem ‚normalen’ Pferd in einer Aufbauprüfung mal mit einer Platzierung belohnt werden" oder "Es würde Sinn machen, mehr Prüfungen für Amateure (Leute, die nicht berufsmäßig reiten) auszuschreiben. Auf den vorderen Plätzen finden sich immer wieder die Berufsreiter, die mit drei Pferden in jeder Prüfung starten."

Der Wunsch kommt dabei nicht nur von Spring-, sondern auch von Dressurreitern. Die Aussage "Die Trennung von Profi und Amateuren sollte noch viel deutlicher in höheren Prüfungen erfolgen! In einer M- oder S-Dressur zu starten, wo man nur noch gegen Profis reiten muss, die dann auch noch mit drei Pferden starten dürfen, macht wohl wenig Sinn....." steht stellvertretend für viele andere.

Doch wer ist "Profi", wer "Amateur"? Wie kann man die beiden Gruppen auseinanderhalten? Auch das war Thema in der großen FN-Umfrage. Für 77,5 Prozent ist der Haupterwerb durch die Tätigkeit als Berufsreiter, aber auch die abgeschlossene Berufsreiterausbildung (65,3 Prozent) das wichtigste Kennzeichen eines Profis. Ebenfalls hoch im Kurs steht die Anzahl der gestarteten Pferde pro Reiter und Jahr als Abgrenzungsmerkmal. Von 46,4 Prozent der Umfragteilnehmer wird dies als Indiz für Profitum an dritter Stelle rangiert - noch vor der Trennung nach Ranglistenpunkten (41,1 Prozent) oder Leistungsklassen (33,2 Prozent). "Damit wird deutlich, worum es den Betroffenen letztlich geht: Um die reiterliche Routine und den Vorsprung, den einige einfach dadurch haben, dass sie nicht nur häufig, sondern auch viele Pferde reiten. Ob sie nun damit Geld verdienen oder nicht", sagt Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport.

Um festzustellen, wie das konkret in Zahlen aussieht, prüfte die Umfrage auch ab, wer eigentlich mit wie vielen Pferden aufs Turnier fährt. Das Ergebnis: 78 Prozent der Probanden stellen pro Jahr ein bis zwei Pferde vor, das ist also die Masse der Reiter. Und nur vier Prozent gehen mit fünf und mehr Pferden an den Start.  (Hb)

Und das sagen die Umfrageteilnehmer (Auszug aus den "offenen" Antworten):

Das Leid mit der Zeit

"Keine Zeit!" Wer kennt dieses Problem nicht? Zeitmangel ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und wirkt sich auch auf den Sport aus. Weniger noch als das fehlende Geld, vielmehr mangelnde Zeit ist für die meisten Reiter der Grund, im Turniersport kürzer zu treten.

Beruf, Haushalt, Partner, Freunde und Familie unter einen Hut zu bekommen, das ist die große Herausforderung unserer Zeit. Vor ihr steht auch das Gros der Turnierteilnehmer, das zu 86 Prozent weiblich und zu 58 Prozent verheiratet ist beziehungsweise in einer festen Beziehung lebt. Das ergab eine 2011 groß angelegte FN-Umfrage, an der sich 14.492 Turnierreiter beteiligten. Danach gaben 82 Prozent der Befragten an, berufstätig zu sein, davon etwa die Hälfte als Angestellte und je 15 Prozent als Leitende Angestellte oder Selbständige. Geht man davon aus, dass heute schon fast die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Regel neun bis elf Stunden im Büro verbringt, wird schnell deutlich: Die Zeit, die für Sport und andere Hobbys bleibt, wird immer knapper. Und das gilt nicht etwa nur für Erwachsene. Auch reitende Kinder und Jugendliche müssen heute dank Ganztagsschule und verkürzter Gymnasialzeit mit weniger frei verplanbarer Zeit auskommen als frühere Generationen.

Zeitmangel stellt daher auch im Pferdesport das größte Problem dar - neben dem Fehlen eines geeigneten, aktuell einsetzbaren Pferdes. Bei einer Befragung nannten 70 Prozent der befragten Reiter die knappe Zeit als Hinderungsgrund dafür, weshalb sie nicht über ein bestimmtes Maß hinaus an Turnieren teilnehmen. "Der Zeitmangel wird vor allem mit einem starken beruflichen Engagement und familiären Verpflichtungen begründet. Die nicht-reitenden Partner der Reiterinnen - und sie sind ja die Mehrheit - empfinden einen Turnierbesuch oft als langweilig. Und für Familien mit Kindern heißt eine Turnierteilnahme oft, dass der Rest der Familie das Wochenende ohne den reitenden Teil verbringen muss", fasst Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport, zusammen.

Wie hoch aber ist der zeitliche Aufwand, den ein Turnierreiter betreiben muss? Die FN-Umfrage ergab, dass Reiter durchschnittlich 20 Stunden pro Woche im Stall verbringen, 37 Prozent sogar mehr als 20 Stunden. Allerdings steigt mit der Leistungsklasse die Frequenz. Sind es unter den Turniereinsteigern (LK 0) nur 40 Prozent, die jeden Tag im Sattel sitzen, trainieren von den LK 4-Reiter bereits 60 und von den LK 3-Reitern rund 70 Prozent täglich ihr Pferd beziehungsweise ihre Pferde.

Wer also nicht nur im Job, sondern auch im Sport gut und erfolgreich sein will, braucht offensichtlich Zeit. Oder zumindest ein gutes Zeitmanagement. Das gilt im Trainingsalltag und wirkt sich auch auf Anzahl und Auswahl der besuchten Turniere aus. "Wir wissen, dass neben der Entfernung eines Turnierstandortes, vor allem die Frage zählt, wie viele Startmöglichkeiten dem Einzelnen geboten werden", sagt Friedrich Otto-Erley. "Anfahrt und Zeitaufwand sollen sich ja lohnen". So werden Ausschreibungen, die dem Reiter die Möglichkeiten verwehren, an mehreren Prüfungen pro Tag teilzunehmen, kritisch gesehen. "Da kann es dann schon einmal sein, dass ein Turnier mit entsprechend ungünstiger Ausschreibung nicht besucht wird", so Otto-Erley.

Um bei knapper werdender Freizeit den Turniersport für alle Reiter attraktiv zu halten, liegt die Lösung also in einer gründlich durchdachten Zeiteinteilung. So empfinden viele auch das Auseinanderziehen verschiedener Prüfungen und die dadurch entstehenden langen Wartezeiten als störend. Auch das bestätigt die große FN-Turniersportumfrage. Danach wünschen sich 42 Prozent, dass die Prüfungen für eine Zielgruppe möglichst zeitnah terminiert sind. Mehr als die Hälfte aller Befragten möchte schon bei Nennung wissen, wann eine Prüfung stattfindet, und 62 Prozent wünschen sich Prüfungszeiten, die sich auch nach den Bedürfnissen von Berufstätigen richten.  (Hb)

Last Minute

Ob Urlaub, Flug oder einzelne Veranstaltungen - die Entscheidung dafür fällt oft "last minute", also in letzter Minute. Passt der Kurztrip nach Paris noch hinein ins knappe Zeitbudget oder verbringt man das Wochenende doch besser zuhause? Der Trend zur kurzfristigen Planung macht auch vor dem Reitsport nicht halt. So wünschten sich 68 Prozent der Teilnehmer an der FN-Umfrage flexiblere Nennmöglichkeiten mit kürzerem Zeitabstand zwischen Nennung und Turnier. Sie dürfen sich freuen: Dank Nennung Online ist das Nachnennen vor dem Turnier seit diesem Jahr billiger. Bis einen Tag vor Turnierbeginn kostet es einheitlich je acht Euro, einen Startplatz (bisher 10 Euro), ein Pferd (bisher 20 Euro) oder einen Reiter (bisher kostenfrei) nachzunennen. Wer allerdings erst auf dem Turnier vor Ort Startplatz, Pferd und Reiter nachnennt, zahlt jeweils 25 Euro statt bisher 20 Euro. Damit soll auch der Verwaltungsaufwand für die Turnierveranstalter minimiert werden. Außerdem erhält er die Hälfte dieser Nachnenngebühr.

Und das sagen die Umfrageteilnehmer (Auszug aus den "offenen" Antworten):

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