7. Weltreiterspiele in der Normandie
Erschienen am 10.09.2014
Drei ostdeutsche Pferde sorgen für Medaillen
Mit fünf Gold-, sieben Silber- und drei Bronzemedaillen kehrten die deutschen Reiter, Fahrer und Voltigierer von den 7. Weltreiterspielen in der Normandie nach Hause. Eine ging auf das Konto eines Deutschen Sportpferdes. Buschreiter Michael Jung (Horb) hatte mit der neunjährigen Halblutstute fischerRocana FST Mannschaftsgold und Einzelsilber gewonnen. Gezogen hat die Ituango xx-Tochter aus einer Carsimo-Mutter Mirko Glotz aus Schönberg (Zwickauer Land/ Sachsen). Angeritten wurde sie in Lengenfeld und erste Platzierungen in Dressur und Springen errang Julia Schmid, ehe sie Ende 2010 über Umwege zu Michael Jung kam.
Der Titelverteidiger von Kentucky musste vor den Weltmeisterschaften kurzfristig umdisponieren, da sein WM-Pferd von 2010, La Biosthetique Sam, verletzt war. "Ich habe im Traum nicht daran gedacht, dass die beiden hier Silber gewinnen würden. Diese Leistung ist dem Sieg von Sam in Kentucky beinahe ebenbürtig", freute sich Michaels Vater Joachim Jung, der mit seiner Frau Besitzer der sächsischen Stute ist. Sie habe in jeder Disziplin das Maximale erreicht.
Im Technikprogramm der Voltigierer glänzte der Enkel des einstigen DDR-Verbandsge-schäftsführers Erich Oese mit den besten Übungen. Foto: H.-J. Begall
Nach der Dressur lag das deutsche Paar noch auf Rang vier. Der anschließende Geländeparcours über 6.000 m im französischen Nationalgestüt Haras de Pin brachte wie erwartet die Rangierung noch einmal durcheinander. Der anhaltende Regen hatte den drainierten Boden deutlicher aufgeweicht, als Kursdesigner Pierre Michelet das erwartet hatte. "Man muss sich den Ritt genau einteilen, um am Ende noch Kraftreserven zu haben", berichtete Michael Jung der Presse. Mit fischerRocana FST musste er als erster Deutscher auf die Strecke. Und am Ende war er der Drittschnellste über die Naturhindernisse. "Dieser Kurs hat uns weiter zusammengeschweißt", sagte er. Nur einmal habe es einen heiklen Moment gegeben, als er am ersten Wasser einmal richtig vorwärts reiten musste. Da das Paar auch im abschließenden Springen fehlerfrei blieb und der bis dahin führende Brite einmal patzte, wurde es die Silbermedaille.
Den Weltmeistertitel sicherte sich Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Opgun Louvo. Bronze gewann der Brite William Fox-Pitt auf dem Brandenburger Fuchshengst Chilli Morning von Phantomic xx und aus einer Kolibri-Mutter. Die Großmutter Grosalle stammt vom Grollus xx ab. Züchter Rainer Schicketanz, Schmied in Neustadt/Dosse und Bruder des Redefiner Gestütswärters Fred Schicketanz, hatte Chilli Morning schon als Fohlen verkauft. Erste Erfolge im Springparcours erzielten bis 2012 Jörg Ladwig, Thomas Krenz und Martin Wißenbach. Auf Anhieb wurde William Fox-Pitt mit dem Hengst bei den Europameisterschaften 2013 in Malmö (Schweden) Dritter. In der Normadie hatte das Paar die zweitbeste Dressur abgeliefert und nach dem Gelände die Führung übernommen. "Ich kann stolz sein auf mein Pferd. Es hat wirklich hart gearbeitet. Die Bodenbedingungen waren sehr schwierig", sagte William Fox-Pitt nach dem zweiten Tag. Als Letzter im Springen startend unterlief dem Briten bereits am zweiten Hindernis ein Fehler im Parcours. Chilli Morning gab der 1,95 m große Brite keine Schuld: "Nach dem Gelände hatte er etwas schwere Beine. Die Reaktion ließ etwas nach, was normal ist. Ich war froh, dass der Rest fehlerfrei war und ich die Bronzemedaille gewinnen konnte." "Wir waren wirklich Außenseiter", stapelte der Brite tief. Für die vier deutschen Buschreiter Sandra Auffarth, Michael Jung, Ingrid Klimke (Münster) und Dirk Schrade (Sprockhövel) wurde es zudem Mannschaftsgold mit einem sicheren Polster von 20,90 Punkten Vorsprung vor Großbritannien (198,80) und die Niederlande (246,80).
Teamgold gab es auch für die deutschen Dressurreiter. Isabell Werth (Rheinberg), Helen Langehanenberg (Billerbeck), Kristina Sprehe (Dinklage) und Fabienne Lütkemeier (Paderborn) holten den elften Weltmeistertitel für Deutschland seit der Premiere 1966. Dazu gab es zweimal Silber durch Helen Langenhaneberg (Grand Prix Special und Kür) mit ihrem Hengst Damon Hill Für die Überraschung sorgte Kristina Sprehe, die sich mit Desperados im Grand Prix Special die Bronzemedaille sicherte. In der Para-Dressur kam lediglich Hannelore Brenner, Fahnenträgerin der Deutschen bei der Eröffnungsparade, zu einer Goldmedaille. In der Kür fügte sie noch Silber hinzu. Bronze gab es in Grade Ia für Elke Philipp aus Treuchtlingen. Als Mannschaft kamen sie zusammen zu Bronze. Einzelstarter Steffen Zeibig aus Arnsdorf (Sachsen) wurde Sechster.
Einen kompletten Medaillensatz gab es für die deutschen Voltigierer. Das Team aus Neuss-Grimlinghausen gewann in der großen Konzerthalle Zenith mit einer souveränen Kür Gold vor der Schweiz und den Gastgebern. Als "Tarzan und Jane" holten Torben Jacobs und Pia Engelberty im Doppel Silber hinter dem österreichischen Duo Jasmin Lindner und Lukas Wacha. Der Radebeuler Erik Oese konnte sich nach einem fünften Platz in der Pflicht bei den Herren in der darauffolgenden Kür auf dem Rücken des 14-jährigen sächsischen Wallachs Calvador (v. Campari M, MV: Lenz; Züchter: Reiterhof Müller, Kubschütz) nach der Musik von Michael Jackson auf den dritten Rang vorarbeiten. In seiner Paradedisziplin, dem Technikprogramm, glänzte der Enkel des einstigen DDR-Verbandsgeschäftsführers Erich Oese mit den besten Übungen. "Flüssig, souverän, überzeugend", brachte Bundestrainerin Ulla Ramge ihre Analyse auf den Punkt, "er hat heute in einer anderen Liga geturnt, seine Stärken voll ausgespielt und damit richtig gut gepunktet". Am Doppeltriumph der Gastgeber konnte der 1,83 m große Gymnasiallehrer vom RFV Moritzburg mit seinem Longenführer Andreas Bäßler trotz bester Kür der Saison nichts mehr ändern. Vier Tage vor seinem 27. Geburtstag gab es WM-Bronze. Der Abstand zu Nicolas Andreani betrug nur winzige 0,015 Punkte. Weltmeister wurde der Franzose Jacques Ferrari.
Auf der Trabrennbahn in Caen büßten die deutschen Vierspänner-Fahrer bereits wertvolle Punkte in der Dressur ein. Dank des besten Einzelergebnisses von Christoph Sandmann (Lähden) und dem zweiten Platz von Georg von Stein (Modautal) in der Marathonfahrt rückte das Team mit Michael Brauchle (Lauchheim-Hülen) auf den silbernen Rang vor, den sie bis zum Ende hielten. Nur die Niederländer blieben bei der Fahrt durch die acht Geländehindernisse und den Kegelparcours auf Gold-Kurs. Bronze ging an Ungarn. In der Einzelwertung verwies der Australier Boyd Exell Chester Weber (USA) auf Platz zwei. Christoph Sandmann erreichte sein Vorhaben und wurde Fünfter.
"Wir hatten eine sehr gute erste Woche, die zweite war dagegen etwas unglücklich", bilanzierte FN-Präsident Breido Graf zu Ranzau die Weltreiterspiele und dachte dabei an die Springreiter. Sie gingen diesmal wie auch die Westernreiter im Reining und die Distanzreiter leer aus.
Hans-Joachim Begall