Hengstleistungsprüfungen 2012

Erschienen am 17.11.2012

Vier 70-Tage-Tests sind bisher abgeschlossen

Das neue Modell der Hengstleistungsprüfung wurde 2011 mit 529 angemeldeten und 413 geprüften Hengsten getestet. Aus den Reihen der Fachleute gab es viel Kritik. Dazu Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer Zucht der FN, erläutert: "Grundsätzlich sind wir zufrieden, aber wenn man ein neues System installiert, ist es nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere Punkt diskutiert und nachgebessert werden muss."

Für 2012 wurden einige Änderungen auf den Weg gebracht: Für jeden Prüfungsdurchgang gab es eigene, individuelle Anmeldeschlüsse jeweils vier Wochen vor dem Beginn der Prüfung. Sowohl in der Veranlagungsprüfung (30-Tage) als auch in der 70-tägigen Leistungsprüfung wurde anlässlich des ersten Trainingsbesuches in der zweiten Woche zusätzlich zu der Überprüfung der Grundgangarten und der Rittigkeit auch das Freispringen erstmals überprüft, um mehr Informationen zur Springveranlagung der Hengste zu bekommen. An der 70-tägigen Leistungsprüfung durften nur noch drei- bis siebenjährige Hengste teilnehmen. Achtjährige und ältere Hengste sollen die HLP nur noch über Erfolge im Turniersport ablegen.

Der in Ganschow gezogene sechsjährige Trakehner Delikat (Herzfunke / Black Magic), der sich im Besitz des Gestütes Sprehe befindet und hier von Therese Nielshagen präsentiert wird, absolvierte seinen 70-Tage-Test in Schliekau als zweitbester mit einer Endnote von 8,49 (Dr. 8,59, Spr. 8,18). Foto: Jutta Wego

Bei der geforderten Gruppengröße (mindestens 25, höchstens 40 Hengste) ist es geblieben, was einigen traditionellen Stationen Probleme bereitet und angemeldete Prüfungen ausfallen ließ, wie der geplante 70-Tage-Test in Redefin.

Anders als bisher, werden die Ergebnisse der Hengste nicht mehr in Form des Indexes ausgewiesen. Veröffentlicht werden bei beiden Prüfungsformen, die Einzelnoten aus Training und Abschlussprüfung, sowie die daraus errechneten gewichteten Endnoten (gewichtete Gesamtnote, dressurbetonte und springbetonte Endnote). Zusätzlich wird sowohl ein VA- bzw. HLP-Zuchtwert Dressur sowie ein VA- bzw. HLP-Zuchtwert Springen geschätzt und veröffentlicht. Ergänzend werden die Abweichungen des Zuchtwertes zum entsprechenden Pedigree-Zuchtwert (dieser ist in Fachkreisen nach wie vor umstritten) ausgewiesen, um die Veränderungen durch die Eigenleistung des Hengstes besser einschätzen zu können. Die Zuchtwerte ermöglichen einen Vergleich über alle Prüfungsstationen, Prüfungsdurchgänge und Jahrgänge hinweg.

Wie sehen die Ergebnisse 2012 aus?

Abgeschlossen wurden bis zum 10. November 70-tägige Leistungstests in Schliekau (31. Mai bis 8. August), vom 7. August bis 16. Oktober in Marbach und vom 17. August bis 25. Oktober in Neustadt (Dosse) sowie zeitgleich in Prussendorf.

Das beste Ergebnis in der gewichteten Endnote bei den 70-Tage-Tests wurde in Prussendorf mit 8,01 erreicht (Dressur 7,88, Springen 8,19. 17 Hengste wurden geprüft. Die höchste Endnote erreichte der vierjährige Holsteiner Carrico / Carambo-Sohn Caversal aus der Zucht und dem Besitz von Kai Gerken (Lasbek) mit 8,52 (Dr. 8,33, Spr. 8,73). Ihm folgt der gleichaltrige Moritzburger Lahnstein Deutsches Sportpferd v. Levistano / Adelante I aus dem Verband Sachsen-Thüringen mit einer Endnote von 8,51 (Dr. 8,50, Spr. 8,54), den Dominik Ebermann in Bernstadt gezogen hat.

Im Zuchtverband Brandenburg-Anhalt ist das Deutsche Sportpferd Colfosco registriert, hier unter Mynou Diederichsmeier. Der vierjährige Hengst v. Check In / Concetto I (LG Sachsen-Anhalt) schloss den 70-Tage-Test in Prussendorf mit der Endnote 8,27 ab (Dr. 7,94, Spr. 8,61)der vierjährige Colfosco. Foto: Jutta Wego

Der Zuchtverband Sachsen-Thüringen war mit drei Hengsten vertreten. Neben Lahnstein waren das Casanova v. Contract / Landclassic mit Endnote 8,36 (LG Moritzburg) und La Bostello v. Lancelot Quainton / Carpalo mit Endnote 7,69 (Hauptgestüt Graditz). Fünf Hengste entsandt der Zuchtverband Brandenburg-Anhalt. Der beste von diesen war mit Endnote 8,27 der vierjährige Colfosco v. Check In / Concetto I (LG Sachsen-Anhalt). Gefolgt mit Endnote 8,26 von einem dreijährigen Sohn des Monte Bellini x Landrebell, den der einstige Vielseitigkeitsreiter Ralf Mewes in Berkau gezogen hat, Calibri, vierjährige v. Calido I / Kolibri (LG Moritzburg) mit Endnote 8,04, Collins, dreijährig v. Canterbury / Wild Dance (LG Sachsen-Anhalt) mit Endnote 7,96 und dem dreijährigen Matador v. Monte Bellini / Askari mit Endnote 7,79 (LG Sachsen-Anhalt).

Das zweitbeste Ergebnis wurde in Marbach mit einer gewichteten Endnote von 7,76 bei ebenfalls 17 geprüften Hengsten erzielt (Dr. 7,71, Spr. 7,85). Das beste Ergebnis hatte auch hier ein Holsteiner. Der dreijährige Cascadello v. Casall / Clearway aus der Zucht von Reimer Hennings (Bendorf) erreichte eine Endnote von 8,54, ein Dressurergebnis von 8,13 und mit 9,21 ein überragendes Springergebnis. Zwei Hengste des Zuchtverbandes Brandenburg-Anhalt befanden sich im Lot. 8,27 erreichte der bereits fünfjährige Sir Madlock v. Sommertraum / Rudelsburg, den Hans-Jürgen und David Rockstroh in Mehringen gezogen und ausgestellt haben und der schon zahlreiche Springpferdeerfolge aufweist. Endnote 7,96 erreichte der vierjährige Quadrofino v. Quaterback / Paradiesvogel, den Lutz Freimann in Krumke gezogen hat und vom LG Marbach zur Prüfung gebracht wurde.

Auch Helmar Bescht in Schliekau hatte mit 19 Probanden eher weniger Hangste in der Prüfung als gewöhnlich und mit einer gewichteten Endnote von 7,71 (Dr. 7,53, Spr. 7,89) liefert er das derzeit drittbeste Ergebnis der diesjährigen Prüfungen. Der Beste war mit Endnote 8,70 und damit das höchstbewertete Pferd des Jahres überhaupt, der dreijährige Hannoveraner Caprisonne v. Contendro I / Cavalier aus der Zucht von Ralf Fehlhaber (Weste). Auch der im Gestüt Ganschow gezogene inzwischen sechsjährige Trakehner Delikat befand sich im Prüfungslot. Das Gestüt Sprehe stellte den Herzfunke / Black Magic Boy-Sohn aus, der mit einer Endnote von 8,49 (Dr. 8,59, Spr. 8,18) auch seine Qualität unterstrich. Weitere Hengste aus ostdeutscher Zucht waren nicht vertreten.

Die meisten Hengste wurden in Neustadt (Dosse) geprüft. Heiko Brehmer hatte 23 im Lot, die die Prüfung im Mittel mit einer gewichteten Endnote von 7,69 beendeten. Damit rangiert die Prüfstation an 4. Stelle. Ein Quaterback-Sohn aus Schweden hatte mit einer Endnote von 8,34 das beste Ergebnis, der mit 8,80 in der Dressur und 7,79 im Springen einen ganzen Zähler auseinander lag. Galopp und Rittigkeit beeindruckten bei dem Leistungshengst mit Noten jenseits der 9,0 am meisten.

Vier ostdeutsche Vertreter waren dabei. Der beste von ihnen war mit Endnote 8,04 der fünfjährige Conturio v. Con Sherry / Zenturio (Brandenburg-Anhalt) vom Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse), den Martin Wißenbach schon mehrfach in Springpferdeprüfungen platziert hat. Im Verband Sachsen-Thüringen wurde Blue Balou registriert. Der siebenjährige Balou du Rouet / Goldfarn-Sohn aus der Zucht von Steffen Jahn, Berga, erreichte eine Endnote von 7,62. Die beiden schwächsten Ergebnisse der in diesem Jahr geprüften ostdeutschen Hengste gehen mit jeweils Endnote 7,13 auf das Konto des isabellbarbenen vierjährigen Deutschen Sportpferdes Quantar MD v. Quaterback / Garut Humburksky (Züchter Dr. Marliese Dobberthien, Diesdorf) und des gleichaltrigen Mecklenburgers Caro Mio v. Cellestial / Matador xx (Züchter Arno Göwe, Broock).  (Franz Wego)

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