Timmendorf/Poel (17.03.+23.-25.03.2007)
Erschienen am 25.03.2007
Die Poeler Pferdesporttage in Timmendorf waren gut besucht, hatten große Teil-nehmerfelde und erhielten von den Teilnehmern viel Lob.
Zwei Wochenenden zog es im März einen Großteil der Springrei-ter aus Mecklenburg-Vorpommern auf die Insel Poel nach Timmen-dorf. Dort fanden in der Reitanlage der Familie Plath die Poeler Springreitertage statt. Eingebettet war ein Fahrturnier, über das wir an anderer Stelle berichten. 28 aus-geschriebene Prüfungen, machten 36 Abteilungen erforderlich. Insge-samt gingen mehr als 130 Reiterin-nen und Reiter mit 350 Pferden an den Start. Neben starken Gästen aus Berlin-Brandenburg waren auch Nachwuchsreiter aus Schwe-den, die besonderen Kontakt zu André Plath haben und der Schweiz am Start. Eine große Her-ausforderung für das Team von Turnierleiter André Plath, das die Logistik bravourös meisterte. Der Veranstalter erhielt viel Lob seitens der Reiter. Besonders die guten Bodenverhältnisse in der Halle und das Vorbereitungszelt, das vor Wit-terungsunbilden schützte, wurden hervorgehoben.
Es gab viel
Turnierhöhepunkt war am letzten Tag der Großen Preis, bei dem es richtig spannend wurde. Zehn Rei-ter-Pferd-Paare erreichten die Sie-gerrunde des M-Springens der Ka-tegorie A. Die erste Bestmarke setzte Heiko Schmidt, der das Mes-seturnier in Erfurt ausließ, um sein Spitzenpferd Lagano für das Oster-turnier in Dortmund zu schonen und sich kurzfristig entschloss, bei seinem Freund André Plath zu star-ten. Mit dem sechsjährigen Coco, der von Cellestial abstammt und im vorigen Jahr unter Andre Thieme Dritter bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde in Lana-ken/Belgien wurde, hatte er am Freitag schon die beiden höchsten Springpferdeprüfungen mit Wert-noten von 8,5 gewonnen. In der Siegerrunde präsentierte sich der Braune, den Heiko Schmidt lang-sam an höhere Aufgaben heran-führt, mit einer Glanzvorstellung (auch was die Rittigkeit betrifft), blieb fehlerfrei und kam auf kurzen Wegen mit 33,70 Sekunden ins Ziel. Thomas Kleis (Schloss Wen-dorf), der an diesem Tag 29 Jahre alt wurde, machte sich auf Pegasus ein schönes Geburtstagsgeschenk. Auch er blieb fehlerfrei und galop-pierte nach 30,29 Sekunden über den Zielstrich. Das zahlreiche Pub-likum applaudierte und glaubte den Sieger gesehen zu haben. Doch da war noch die 18-jährige Ronja Bergmann, die für den Gastgeber-verein reitet. Vom Ehrgeiz gepackt ließ sie die Mecklenburger Staats-prämienstute Arthemis (v. A-cord II), die André Plath ausgebil-det hat und in den Sport brachte, vom Start weg frisch nach vorn ga-loppieren, behielt dabei die Kon-trolle und kam in der Traumzeit von 27,57 Sekunden ins Ziel. Da-mit blieb der Sieg im Großen Preis zur Freude der Vereinsfans in Tim-mendorf. "Ich hatte mich etwas ge-ärgert, weil mein Pferd Candy Girl, die eigentlich sehr sicher springt, einen Fehler hatte. Deshalb wollte ich mit Arthemis, eine Stute mit dem richtigen Siegerinstinkt, die mir von Hannelore Auerswald (Berlin) zur Verfügung gestellt wird, unbedingt die beste Zeit rei-ten", sagte die strahlende Siegerin, die auch zum Landeskader von Mecklenburg-Vorpommern gehört. Es war ihr dritter Sieg an dem Wo-chenende. Zuvor hatte sie schon auf der Mecklenburger Stute Cyra-na und auf Cora, die früher von Birthe Makowei geritten wurde, je ein Springen gewonnen.
Ein Springen der mittelschweren Klasse mit Stechen war der sportli-che Höhepunkt am ersten Turnier-wochenende. 37 Reiter-Pferd-Paare gingen an den Start. Bewusst wur-den die Anforderungen am Beginn des Sportjahres am unteren Level gehalten, was zur Folge hatte, dass 17 Paare das Stechen erreichten. Dort ging es dann über erhöhte An-forderungen richtig zur Sache. Den kürzesten Weg wählte Thomas Kleis. Auf dem Pius-Sohn Pegasus war er bei strafpunktfreiem Ritt mehr als eine Sekunden schneller als Christine Wecke (TG Schaum-burg), die im Sattel von Sunday Morning Zweite wurde und schon fast zum Personal in der Reitanlage gehört. "Ich dachte mir, probier es mal", sagte der Sieger nach seinem Ritt. "Pegasus kann eigentlich aus jeder Lage springen und bei dem großen Starterfeld blieb mir nur die Flucht nach vorn". Die Flucht glückte und Kleis, der für einen ös-terreichischen Hotelmanager reitet, der in Wendorf eine Reitanlage er-richten will, gewann das Springen. Auf dem 3. Platz folgte sein ge-genwärtiger Trainingskollege Mi-chael Nagel aus Gadebusch. Auf Astair blieb der Bereiter des Zuchthofes Makowei im Stechen ebenfalls strafpunktfrei. Die zweit-schnellste Zeit ritt mit Philipp der 16-jährige Junior aus dem Hause Makowei, der auf Athos aber einen Abwurf hatte und Vierter wurde.
Insgesamt kam der gastgebende Verein RFSV Insel Poel e.V. mit Rene Rückert (Springpferde A auf Placido 8,4 und M/B-Springen auf Deuzieme), Katharina Henke (Zwei-Phasen A auf Lennox), Ja-nette Kalis (Punkte A auf Catana Z), Luisa Nass (Ponyspringen Klasse M) und Turnierleiter Andre Plath, der trotz eines Fehlers am 1. Sprung im M/B-Zeitspringen auf Paso Primo eine mitreißende Auf-holjagd startete) zu neun Siegen.
Vor dem Großen Preis war die Stimmung schon bei einem Zwei-kampfspringen der Klasse M Kate-gorie A auf dem Siedepunkt. Dabei gingen jeweils zwei Reiter auf spiegelbildlich identischen Kursen an den Start. Im Ko-System muss-ten die Sieger der Paarungen ge-geneinander antreten. Das Finale betritt Hausherr André Plath auf Exkalibur und Landesmeister Mat-thias Granzow (Passin) auf Acapel-la. Granzow gewann das letzte Du-ell und somit das Springen.
Auch die schwedischen Nach-wuchsreiter verbuchten einen Sieg. Auf dem von André Plath nach Schweden verkauften Pony Anton gewann Linn Engelholm ein Punk-tespringen Klasse A. Auch Janin Stechow (Steffenshagen) lieferte sehenswerte Ritte und gewann auf Adycate ein L-Springen. Die Nachwuchsreiter waren in Tim-mendorf ohnehin sehr stark. Katha-rina Strobel (Passin) lieferte sich in einem M-Springen auf Karisma ein spannendes Duell mit Philipp Ma-kowei, das zu Gunsten von Katha-rina endete. Im M/A-Springen am vorletzten Turniertag zog Lars Köhler (Ranzow/Rügen) den Ga-debuscher Michael Nagel (Astair) ab und gewann auf Sinfonie.
Zwei L-Springen gingen am 1. Wochenende an Juliane Weihs (Grevesmühlen) auf Atlantis Z vor Laura Falk (Wischuer) auf Dindolo und Katharina Strobel auf Karisma. Drei Ponyspringen sicherte sich die neue Landesmeisterin Shanice As-hanti Stepper auf Kira, die der Konkurrenz um Längen voraus war. Die höchste Ponyprüfung blieb, wie schon erwähnt, jedoch beim Veranstalter. Luise Nass ge-wann auf Pretty Woman mit fehler-freiem Stechen das M-Springen, höchste Prüfung für Ponys über-haupt. "Mein Pony hat sehr viel Springvermögen, mit einem Sieg hatte ich schon geliebäugeln", ge-stand die Siegerin, die sich damit ein schönes Geburtstagsgeschenk machte. Zwei Tage später wurde sie 16 Jahre.
Breiten Raum nahmen die Spring-pferdeprüfungen ein. 14 Mal wurde zur Ehrenrunde aufgefordert. 41 Mal stand die "8" vor dem Komma in den Ergebnislisten. Sehenswerte Ritte lieferte erneut Sarah Noujaim aus dem Reitstall Schmidt (Neu Benthen), die auf der fünfjährigen Trakehnerstute Hurrican Lucy mit 8,7 die Höchstnote bei dem Turnier erhielt. Auch die Cellestial-Stute Clementine stellte sie brillant vor. Ebenso den Zuchthengst Kingsland SM. Am zweiten Wochenende zog ihr Chef Heiko Schmidt nach und glänzte auf Coco (zweimal 8,5) e-benfalls mit einem Cellestial-Sohn.
Thomas Kleis hat neben seinem Levisto-Hengst Lando-Lindo mit dem erst vierjährigen Chacco-Blue-Sohn Condor Blue ein weiteres Klassepferd für Springpferdeprü-fungen zur Verfügung, der seinen Vater deutlich erkennen lässt. Auf-fallend auch die guten Pferde die Steffen Schott (Zierow) vorstellte. Lord Willi S, Loredo und Capri fehlen zwar noch Turnierpraxis. Sie zeichnen sich aber durch viel Vermögen aus. Auch die Redefiner Hengste Carrico und Calino Tarnko machten unter Heiko Strohbehn und Daniel Wascher einen ausge-zeichneten Job. Das gleiche gilt für die DÂ’Olympic-Söhne Desperado und Dyatonic unter Michael Nagel, Costa-Calida, Carthanja, Chalkis, Balina und Einstein unter Andreas Bäse (Kemnitz), Placido unter Re-ne Rückert, Li Sun unter Rolf Güther, Comet unter André Plath, Pirgitta unter Sandra Engelmann, Don Diego unter Andreas Brandt und andere mehr. Das Turnier in Timmendorf war ein erneuter Be-weis dafür, dass die Pferdezucht immer bessere Pferde zur Verfü-gung stellt.
Franz Wego