Haflingerprüfung Fahren und Reiten

Erschienen am 30.12.1899

Die blonden Tiroler demonstrierten in Ganschow im Geschirr und unter dem Sattel den züchterischen Fortschritt

Eigentlich schade, dass sich nur die Shetlandpony- und Haflingerzüchter bisher dazu durchgerungen haben, zur Vergabe der Staatsprämie auch eine Veranlagungsprüfung zu fordern. Sicher hätte das den Reitponys auch gut zu Gesicht gestanden, die ja eigentlich nur die verkleinerte Form der Warmblutpferde sind.
Die Haflingerzüchter führen ihre Prüfung seit Jahren im Gestüt Ganschow durch. Einige Züchter stellen ihre Stuten aber auch auf anderen Prüfungsplätzen vor, die vorwiegend von Warmblütern genutzt werden. Auch in diesem Jahr gab es kurz vor der Elitestutenschau in Ganschow wieder eine Haflingerprüfung. Die ist sehr anstrengend für die Probanden, denn insgesamt befinden sich die meisten fast fünf Wochen im Training. Nach einigen Tagen der Vorbereitung werden sie zunächst im Gespann trainiert und nach 14 Tagen zur Abschlussprüfung vorgestellt. Daran schließt sich nahtlos das Training unter dem Sattel an, das wiederum nach 14 Tagen mit einer Prüfung abschließt. So gesehen absolvieren die Haflinger von allen im Land gehaltenen Rassen die härteste Prüfung. Nicht selten stehen die, die sich vor dem Wagen hervorragend präsentieren auch unter dem Sattel ganz vorn.

Prüfung vor dem Wagen

Am 15. August wurden den Richtern 16 Stuten zur Abschlussfahrprüfung vorgestellt. Wen wundert es, dass Fahrexperte Wolfgang Raschke aus Spantekow mit der Aladin/ Showmann-Tochter JULA die Siegerin stellte. Von Ingomar Meissner (Weisdin) gezogen, war die Prämienanwärterin fachgerecht auf die Prüfung vorbereitet. Vor allem in der Geländefahrt, die sie mit 8,38 Punkten abschloss, glänzte Jula. Sicher ein potentielles Gespannpferd, das wir schon bald in Kombinierten Fahrprüfungen sehen werden. Trab und Schritt erledigte sie mit recht einheitlichen Noten von 7,50 und 7,63. Zusammen mit der Fahraufgabe, für die es die Wertnote 7,75 gab, kam Jula auf eine Endnote von 7,83.
Auch auf dem 2. Platz folgte mit BELLADONNA v. Wallenstein/ Acatenango eine Prämienanwärterin aus der Zucht und dem Besitz von Paul Völzow aus Zahrensdorf. In den Leistungsmerkmalen war sie der Siegerin sogar etwas voraus. Im Gelände kam sie ebenfalls auf 8,38 Punkte, absolvierte die Fahraufgabe mit 8,00 besser, wurde auch im Schritt mit 8,38 höher bewertet und lag lediglich in der Note für das Interieur unter der Siegerin. Mit einer Endnote von 7,83 trennten die beiden ersten Stuten nur fünf Hundertstelpunkte. Mit ALMISSA III v. Almfürst/ Stabil, ZAIRA v. Arthos/ Almfürst und ZAFIRA v. Wallenstein/ Narduk stellten Fritz & Dörte Wolfgramm aus Heilgeisthof gleich drei Stuten zur Prüfung vor. Alle ebenfalls Prämienanwärterinnen. Besonders die beiden erstgenannten sind sehr leistungsveranlagt und in der Bewertung mit Endnoten von 7,73 und 7,72 fast gleich benotet. Almissa III hatte leichte Vorteile im der Trabveranlagung, Zafira war dafür etwas ergiebiger im Schritt. Bei Zafira wiederum war der Schritt der Schwachpunkt in ihrer Vorstellung, der nur mit 6,25 bewertet wurde. Die Endnote von 7,25 ist aber dennoch prämienberechtigt.
Das Prüfungslot war insgesamt sehr homogen, vor allem auf den ersten acht Plätzen. Alle Stuten schafften den Schwellenwert von 7,0. Die Gesamtprüfungsnote betrug 7,51. Dabei ragte die Geländeprüfung mit 8,02 am meisten heraus. 7,44 erreichten die Stuten im Schnitt im Trab. Davon träumen die Züchter von Warmblutstuten. Bestes Bewegungspferd war mit Wertnote 8,00 MISS AYLA v. Aladin/ Albatros aus dem Stall von Erhard Fenske aus Klein Polzin. Der Schritt erreichte im Mittel 7,04.

Prüfung unterm Sattel

Der Fahrprüfung in Ganschow schloss sich unmittelbar danach das Training für die Prüfung unter dem Reitsattel an. Dazu wurden 11 dreijährige Haflingerstuten, eine gleichaltrige Reitponystute, zwei vierjährige Reitponywallache und eine bereits sechsjährige Haflinger-Mixstute, ausgewiesen als SoPo, ins Training genommen. Von den Haflingerstuten, die bis auf eine alle Prämienanwärterinnen waren, hatten neun schon die Fahrprüfung absolviert. Am Prüfungstag selbst wurden den Richtern Bento Körner und Franz Wego sowie Fremdreiter Roland Volkmann noch drei dreijährige Mecklenburger Stuten zur Prüfung vorgestellt, die die letzte Chance nutzten, evtl. doch noch über den Schwellenwert von 7,0 zu kommen, um die Startberechtigung für die Elitestutenschau in Mühlengeez zu erlangen.
Es befanden sich einige erstaunlich bewegungsstarke Stuten im Prüfungslot. Mit 6,9 war der Trab im Schnitt etwa dort angesiedelt, wo er auch bei den Warmblutstuten liegt. Im Galopp erreichten die Stuten im Mittel 6,98 und im Schritt 6,91 Punkte. Das ergibt im Mittel eine Wertnote von 6,93 für die Grundgangarten, also um es verbal auszudrücken ein knappes "ziemlich gut". Trainingsleiter und Testreiter erfühlten im Schnitt eine 7,1 in der Rittigkeit und im Springen gab es die Endnote von 7,27. Damit reihen sich die Haflinger in etwa in das übliche Ergebnis der Warmblutstuten ein. Insgesamt endete die Stationsprüfung aufgrund der hohen Wichtung für das Interieur, das deutlich über 8 lag, mit 7,41.
Siegerstute der Prüfung wurde Amelie (v. Askhan/ Midas-Hanja) aus der Zucht und dem Besitz von Werner und Holger Reimer, Tessin, die bei der Stutbuchaufnahme mit 7,61 die dritthöchste Bewertung hatte. Sie erreichte 7,9 Punkte und wurde in den Grundgangarten mit 7,42 und im Springen mit 7,5 bewertet. Ihre hohe Interieurnote von 8,5 korreliert mit guter Rittigkeit (8,0).
Auf Platz zwei folgte mit Wertnote 7,7 A-Saskia (v. Wallenstein/Alfonso II) aus dem Züchterstall von Volker Tack, Alt Kenzlin. Sie ist die Interieursiegerin mit 8,67, also fast "sehr gut". In den Leistungsmerkmalen liegen ihre Höhepunkte im Springen (7,63). Den niedrigsten Wert erreicht sie mit 7,0 in der Rittigkeit. Grundgangartensiegerin wurde Miss Ayla (v. Aladin/ Albatros). Züchter und Besitzer ist Erhard Fenske aus Klein Polzin. Mit 7,83, wobei der Trab mit 8,25 und der Galopp mit 8,0 besonders hervortreten, kommen die Grundgangarten dem "gut" recht nahe. Eine Schwäche in der Rittigkeit (6,75) verhinderte eine höhere Endnote als 7,62. Die beste Haflingerstute am Sprung war mit 7,81 Zaira (v. Arthos/ Almfürst) aus dem Stall von Fritz & Dörte Wolfgram, Heilgeisthof.
Von den Warmblutstuten hat Red Velvet (v. Redwine/ Duralin II) den Sprung zur Elite noch geschafft. Die Stute von Hermann Mielke aus Groß Kordshagen hat mit 7,65 eine richtig gute Prüfung gemacht, die am Sprung mit 8,0 ihre Höhepunkte hatte.

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